Caribbean Island Panorama

Karibikführer Windward Islands


Letzter Update: 21. November 2008 20:57
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Medizin an Bord

Bordapotheke

Die folgende Aufstellung kann Ihnen als Checkliste für die Zusammenstellung einer gut dotierten Bordapotheke dienen. Am besten bespricht man sie mit seinem Hausarzt oder Apotheker.


Anwendungsbereich

Verfalldatum

Arzneimittel

Allgemeines

 

Verbandmaterial (inkl. Schere und Pinzette)

Fiebermesser

Wunddesinfektion (Lösung, Salbe, Puder)

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Schmerzen (allg., Spasmen, rheumatisch)

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Reisekrankheit (Tabletten, Kaugummi,  Suppo, TTS)

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Allergie, Insekten, Qualle (Stift, Gel, Tablette)

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Verbrennungen, Sonnenbrand: Brandsalbe

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Prellung, Bluterguss: Abschwell. Salbe, Tabletten

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Durchfall: Darmperistaltik, Darminfektion

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Erkältungen: Fieber, Grippe, Husten, Schnupfen

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Nervosität, Schlaflosigkeit

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Schlechte Verdauung, Blähungen

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Verstopfungen

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Ohrenschmerzen, -entzündung

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Halsweh, Mundhöhle (Aphten)

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Augen: Reizung, Infektion, UV, Schmerz

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Pilzbehandlung

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Asthma

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Herz- und Kreislauf: anregend, Tiefdruck

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Abszess, Fremdkörper(Seeigel): Zugsalbe

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Hämorrhoiden, Krampfadern

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Dermatosen, Ekzeme

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Infektionen, schwere: Sulfonamide, Antibiotika

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Starke Schmerzmittel (ev. Betäubungsmittel)

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Cortison-Präparate: Tabl. (Für div. Applikationen) und Spritze (Schockbekämpfung)

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Nachstehend eine Liste von Medikamenten für eine gut dotierte Bordapotheke. Sie ist als Vorschlag zu verstehen und soll um persönliche Medikamente ergänzt resp. durch persönliche Präferenzen ersetzt werden.

Keinesfalls verlasse man sich auf die hier aufgeführte Medikamentenbeschrei­bung, sondern konsultiere stets die dem Medikament beiliegende Beschreibung.

 

Arzneimittel

Verfall-

datum

Wikungs-mechanismus

Anwendungs-bereich

Vorsichts-massnahme

Dosierung

Alucol

Kautabletten

 

verhindert Magenüber-säurung und dadurch bedingtes Magengeschwür

Magenbrennen, Säureeinnahme vorbeugend bei Schockpatienten

 

mehrmals täglich 1-2 Tabletten gut zerkauen

Alcazyl (Aspirin) Tabletten

 

fiebersenkend, entzündungs-hemmend, schmerzstillend

bei allen fieber-,  schmerzhaften, entzündlichen Vorgängen

nie auf nüch-ternen Magen, Vorsicht bei Patienten mit Magen-geschwür

3-4 mal täglich

1 Tablette nach dem Essen

Bepanthen Salbe

 

fördert den Wundheilungs-prozess

schlecht heilende Wunden, Wund-reiben

 

1-2 mal täglich auftragen

Carbolevure & Imodium

 

reguliert den Darmtrakt

akuter Durchfall, Darminfektionen

 

3 mal täglich 2 Tabletten

Cinnageron 25mg Tabletten

 

Dämpfung und Stabilisierung des Gleichgewicht-sinns

Vorbeugen gegen Seekrankheit

 

3 mal täglich1 Tablette (Beginn: ca. 3 Tage vor Reiseantritt)

Clamoxyl 375 mg Kapseln

 

Breitspektrum-Penicillin, tötet Bakterien

Bronchitis, Mittelohr-entzündung, Typhus, Harn-weginfektion

Nie bei bana-len Infekten, Behandlung nie unter-brechen

3-4 mal täglich 1 Kapsel vor dem Essen ganz schlucken

Codipront Kapseln

 

dämpft Husten-reizzentrum

starker Reizhusten

bei Verschlei-mung unbe-dingt zusätz-lich schleim-lösende Mit-tel; bewirkt Verstopfung

morgens und abends

Cotrim forte Tabletten

 

tötet Bakterien

Lungen-entzündung

schwere Angina, Cholera, Ruhr, Nieren- & Blasen-entzündung

Nie bei banalen Erkrankungen

morgens und abends 1 Tablette ganz schlucken

Charbon Belloc Kohletabletten

 

absorbiert giftige Stoffe im Verdauungstrakt

Nahrungsmittel-vergiftung (mit Dulcolax kombi-niert) Durchfall (mit Mexaform kombiniert)

 

ca. 6 mal täglich 1 Tablette

Ciloprin cum anaesthetico Ohrentropfen

 

schmerzhafte Ohrenentzündung

 

 

4-5 mal täglich einige Tropfen einträufeln

Coramin-R Tabletten

 

regt Atmungs- und Kreislaufzentrum an

Ermüdungs-zustände, Blut-druckzusammen-bruch

nicht bei HerzstörungenAsthma und Krämpfen

2-3 mal täglich 1 Tablette

Dulcolax Dragées

 

Darmreizendes Abführmittel

Verstopfung

nicht bei Darment-zündung und Darmver-schluss

1-2 Dragées ganz schlucken

Euceta Salbe

 

abschwellende und heilende Salbe

 

 

2 mal täglich autragen

Fenistil Gel

 

hemmt juckreiz­erzeugende Stoffe

allergische Reak­tionen aller Art

 

mehrmals täglich dünn auftragen

Halicon Tabletten

 

Ein- und Durch-schlafmittel

Schlafstörungen

nicht chronisch anwenden

abends ca. 1 Stunde vor dem Schlafen 1 Tabl.

Imodium Tabletten

 

tötet Bakterien und Amöben im Darm

bei Durchfall, Nahrungsmittel-vergiftung

wegen starkem Flüssigkeitsver­lust viel, leicht gezuk-kertes Wasser trinken

anfangs: 2 Stück, nach Bedarf 1 Tablette, max. 6 pro Tag

Itinerol B6 Dragées / Zäpfchen

 

dämpft zentrales Brechreizzentrum

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

schon vor Auf­treten der Be­schwerden an­wenden; min­dert Reaktions-fähigkeit

1-2 Dragées oder 2-4 Zäpfchen  (ca. 1 Stunde vorher anwenden)

Kamilosan Tinktur

 

 

bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum

 

 

Locacorten Vioform Salbe

 

entzündungs-hemmend, reizlindernd

Ekzeme, eitrige Hautausschläge

nicht auf offene Wunden

2-3 mal täglich auftragen

Mebucain forte Lutschtabletten

 

desinfiziert, stillt Schmerzen, tötet Bakterien im Mundbereich

Mund- und Racheninfektion

 

alle 2-3 Stunden 1 Tablette lutschen

Mexaform

 

 

 

 

 

Ponstan

 

schmerzlindernd und fiebersenkend

Zahnschmerzen

 

3 mal täglich 2 Kapseln

Scopoderm TTS

 

dämpft Brech-reizzentrum, stabilisiert Gleichgewichts-sinn

Reisekrankheit, Seekrankheit

nach Appli-kation gut Hände waschen (nicht in Augen reiben)

ca. 2 Stunden vor Reiseantritt hinter dem Ohr anbringen

Solarcain

 

schmerzlindernd bei Verbrennungen, Juckreiz und Insektenstichen

bei Sonnenbrand und leichten Verbrennungen

 

mehrmals täglich leicht auftragen

Spasmo-Cibalgin compositum Dragées / Zäpfchen

 

krampflösend, schmerzstillend

Krämpfe und Schmerzen im Darmbereich

 

2-3 mal täglich 1 Dragée oder Zäpfchen

Sterosan Salbe

 

desinfizierende Wundsalbe, tötet Bakterein und Pilze

entzündete Wunden, Pilze, Forunkel u.ä.

 

nach Bedarf auftragen

Stugeron forte

Tabletten

 

Dämpfung und Stabilisierung des Gleichgewicht-sinns

Vorbeugen gegen Seekrankheit

nicht an Schwangere abgeben

3 mal täglich eine Tablette (Beginn ca. 3 Tage vor Reiseantritt)

Temgesic Tabletten

 

sehr starkes Schmerzmittel

bei sehr starken Schmerzen aller Art; nur in abso-luten Notfällen

Suchtgefahr

je nach Schwere 1-2 Tabletten alle 6-8 Stunden. Max. 8 Stück pro Tag

Tolectin Gel

 

abschwellende und entzündungs-hemmende Crème

Verstauchungen, Zerrungen, Prell-ungen, Ischias, Venenentzün­dungen

nicht auf offene Wunden auftragen

2-3 mal täglich leicht einreiben

Topostasin Pulverbeutel

 

lokale Blutgerinnung

bei blutenden Wunden, Nasen-bluten, Magen-bluten

 

Pulver steril aufstreuen oder einnehmen

Torecan Dragées / Zäpfchen

 

dämpft Brechreizzentrum

starke, akute Brechanfälle versch. Ursache

 

1-3 mal täglich 1 Dragée /Zäpfchen

Ultracorten 5mg Tabletten

 

entzündungshem-mend, antialler-gisch, mindert Schockfolgen

starke allergische Reaktionen, akuter Rheuma-anfall

nie über längere Zeit einnehmen

zu Beginn bis zu 10 Tabletten täglich

Valium 5mg Tabletten

 

starkes Beruhigungs-mittel

starke Erregungs-zustände, Schock, Asthma, Herz-infarkt, Muskel-krämpfe

beeinträchtigt Reaktionsfä­higkeit (nie mit Alkohol)

bis zu 3 mal 2 Tabletten einnehmen

 

Seekrankheit

(Aus Yacht 14/95; Meinert Matzek)

Seekrankheit ist keine Schande! Selbst berühmte Seefahrer und namhafte Langfahrtsegler litten und leiden unter dieser Geisel der Seefahrt. Das liegt in der Regel an der Übersensibilität des Gleichgewichtsorgans. Dieses winzig kleine Gebilde sitzt gut geschützt im Schädelknochen hinter dem Ohr und ist der Ausgangspunkt allen Leidens. Dabei müssen wir zwischen mehr oder minder schwerer Übelkeit und richtiger Seekrankheit unterscheiden. Erstere geht meist nach einer gewissen Gewöhnungszeit vorüber, letztere kann lebensbedrohliche Formen annehmen. Die schwanken dann zwischen heftigem Brechreiz und Lethargie bis hin zum zwanghaften Wunsch, über Bord zu springen - nur um der Schaukelei zu entgehen. Diese Reaktionen beziehungsweise der Krankheitsverlauf können durch Angst, Stress, falsche Ernährung, üble Gerüche, übermässigen Alkoholkonsum oder ähnliches ausgelöst oder verstärkt werden.

Gegenmassnahmen

Einige grundsätzliche Verhaltensregeln können helfen, Seekrankheit gar nicht erst aufkommen zu lassen:

·       vor Auslaufen keinen Alkohol, auch nicht am Vorabend

·       ausgeruht lossegeln

·       leichte Kost

·       körperliches Wohlbefinden durch trockene, warme und bequeme Kleidung

·       möglichst immer genug schlafen

·       Harmonie und gute Stimmung unter der Crew, die von einem ruhigen und souveränen Skipper geführt wird.

Bei den ersten Anzeichen auftretender Übelkeit sollte man:

·       sich feste Bezugspunkte für die Augen suchen (in der Regel bleibt nur die Küste oder der Horizont)

·       sich intensiv mit Decksarbeit beschäftigen (Rudergehen ist eine der wirksamsten Gegenmassnahmen)

·       versuchen, sich durch autogenes Training selber ruhigzustellen

·       sich, sobald man unter Deck geht, möglichst gleich in die Koje legen (bewirkt allerdings bei manchen Menschen auch das Gegenteil).

Mittel aus der Apotheke

Medikamente gegen Reise- oder Seekrankheit gibt es viele. Sie wirken dämpfend auf das Gleichgewichtsorgan, das zentrale Nervensystem oder den Magen. Meist müssen sie bereits ein bis zwei Tage vor Antritt der Seereise in der vorgeschriebenen Dosierung kontinuierlich eingenormen werden, gleichgültig, ob man sie am Ende benötigt oder nicht. Leider sind sie mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Trockenheit im Mund oder -in Extremfällen - mit Einschränkungen in der Wahrnehmung verbunden.

Da sind zunächst einige Vitamin-B6-Präparate wie Benadon und Hexobion. Sie werden normalerweise gegen Nervenschmerzen, zum Beispiel bei Hexenschuß, eingesetzt. Damit sie wirken, müssen sie einen Tag vor Antritt der Reise mit Dosierungen von mindestens 600 Milligramm B6 eingenommen werden. Diese Dosierung soll während der ganzen Reise prophylaktisch fortgesetzt werden.

Als hilfreich erweisen sich bei vielen auch Ingwerpräparate wie zum Beispiel Zintona. Die Wirksubstanz der Ingwerwurzel wird seit Jahrhunderten als Aromatikum und Mittel gegen Blähungen verwendet und wird aufgrund ihrer guten Verträglichkeit gerne genommen. Mit Schokolade überzogene Ingwerstäbchen sollen ebenfalls wirksam sein.

Ebenso können alle klassischen Antihistaminika (Medikamente gegen allergische Reaktionen) aufgrund ihrer dämpfenden Wirkung auf das Nervensystem und das Brechzentrum gegen das Auftreten von Seekrankheit eingesetzt werden (etwa Vomex A, Vertigo Vomex, Rodavan, Logomed, Reisedragée-Eu Rho Pharma und Vomacur). Sie wirken, als Dragée, Kapsel oder Tablette verabreicht, schon nach 30 bis 45 Minuten, als Zäpfchen (für Kinder) erst nach zwei Stunden. Noch schneller tritt die Wirkung bei Kaugummis wie etwa Superpep ein, da hierbei die Wirkstoffe direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Gute Erfolge erzielten wir auch mit Stugeron (Produktename in Deutschland: Stutgeron). Sein Wirkstoff Cinnarizin sorgt unter anderem für eine bessere Durchblutung des Innenohres. Stugeron macht aber schlapp und müde und hinterläßt einen trockenen Mund. Bei starken Reaktionen sind Crewmitglieder nur noch bedingt einsetzbar.

Das unserer Erfahrung nach wirksamste Medikament, Scopoderm TTS, wird als kleines, mit Wirkstoff präpariertes rundes Pflaster hinter ein Ohr geklebt. Der Hauptbestandteil ist das Alkaloid Scopolamin, ein Heil- und Rauschmittel auf pflanzlicher Basis. Es wirkt auf das Gleichgewichtsorgan im übertragenen Sinne ähnlich wie Öl auf brechende Wellen. Der Wirkstoff dringt durch die Haut und wird auf direktem Wege über die Blutbahn zum inneren Ohr geführt. Scopoderm sollte am Abend, spätestens aber 5 Stunden vor Reiseantritt angewendet werden; es bleibt etwa 72 Stunden lang wirksam.

Als das Medikament vor Jahren eingeführt wurde, beklagten viele Anwender Sehstörungen, sobald sie sich das Pflaster hinter das Ohr klebten. Wir haben herausgefunden, dass diese Probleme - bis auf wenige Ausnahmen der Übersensibilität - fast ausschliesslich durch unsachgemässe Handhabung selbst verschuldet wurden:

Sobald man das Pflaster aufgeklebt hat, muß man sich die Hände mit Seife waschen und darf sich auf keinen Fall zuvor mit den Fingern die Augen reiben. Denn dabei gelangt der Wirkstoff direkt in den Augenbereich und verursacht eine zwangsläufige Weitung der Pupille. Damit ist die optische Funktion des Auges lahmgelegt. Man kann zum Beispiel nicht mehr die Uhrzeit ablesen, geschweige denn in der Seekarte arbeiten. Die Beeinträchtigung kann Stunden andauern.

Wir empfehlen, das Scopoderm-TTS-Pflaster von einem anderen Crewmitglied hinter das Ohr kleben zu lassen. Und damit niemand unbemerkt oder aus Versehen auf das Pflaster fasst, kleben wir immer noch ein neutrales, rundes Pflaster als Abdeckung darüber.

Während die bisher genannten Medikamente eine direkte Wirkung auf betroffene Nervenzentren oder Organe ausüben, regen homöopathische Mittel, wie zum Beispiel Hevertigon, mit ihren überwiegend pflanzlichen Wirkstoffen den Körper an, sich selbst zu helfen. Hevertigon hat noch den grossen Vorteil, dass keinerlei Nebenwirkungen bekannt sind.

Darüber hinaus gibt es noch viele Medikamente mit ähnlichen Wirkstoffkombinationen, jedoch unter anderen Namen. Für die Einnahme aller Medikamente gilt die dringende Aufforderung, sich über mögliche Nebenwirkungen zu informieren.

Ein Druckpunkt gegen die Seekrankheit

Auch Akupressur kann bei Seekrankheit angewendet werden. Dabei wird auf den Nei-Kuan-Punkt (den Reizpunkt für Reisekrank­heiten; er liegt drei Finger breit unter der Handwurzel zwischen den beiden hervortretenden Sehnen) ein per­manenter Druckreiz ausgeübt. Für diesen Zweck gibt es spezielle Armbänder mit Kunst-stoffknöpfen, die so über die Handgelenke gestreift werden, dass der Knopf genau auf besagten Punkt drückt. Sie haben keinerlei Nebenwirkungen und der Erfolg kann in günstigen Fällen innerhalb von Minuten einsetzen.

Voraussetzung dafür ist der korrekte Sitz der Bänder. Eine Markierung auf der Haut erleichtert die Kontrolle. Wichtig ist dabei aber auch die innere Bereitschaft, diese Wirkungsweise zu akzeptieren.

Akupressurbänder kosten bei Yachtausrüstern und in Apotheken zwischen 15 und 55 Franken. Auf eine preiswerte Alternative wies uns der Hamburger Apotheker Patrik Schmidt hin. Für die Behandlung von Schlafstörungen gibt es spezielle Akupressurpflaster, in die anstelle des Gazepolsters ein "Druck"-Knopf aus Kunststoff eingearbeitet ist. Diese Pflaster werden unter dem Handelsnamen Isocones angeboten und lassen sich auch auf dem Nei-Kuan-Punkt anwenden. Der Druck kann durch ein Stück Leukoplast oder normales Tape, das man um das Handgelenk klebt, verstärkt werden. Die Packung mit 36 "Druck" Pflastern kostet knapp 40 Franken.

Bewährte Hausmittel

Ausser den genannten Medikamenten und Methoden gibt es noch viele Geheimtips und Hausmittelchen, die wir nicht vernachlässigen sollten. Manche Segler setzen bei beginnender Übelkeit auf eine Diät aus Cola und Salz-Stangen, oder sie knabbern Studentenfutter oder Müsliriegel. Auch trockenes Brot beschäftigt Magen und Bewusstsein, ohne diese zu belasten.

Sehr gut nachvollziehen können wir den Rat, mit Stereo-Kopfhörern seine Lieblingsmusik zu hören. Vor allem bei Kindern hat sich diese Methode bestens bewährt. Wir haben selbst erlebt, dass sie mit Walkman, Kopfhörern und Märchenkassetten bewaffnet sogar wild bewegte Raumschotstrecken in der Vorschiffskammer ohne jedes Anzeichen von Seekrankheit überstanden.

Bei der Methode, ein Auge mit Augenklappe zu bedecken oder ein Ohr mit Ohro­pax zuzustopfen, fällt uns die Einsicht schon schwerer. Dabei sollen Links- und Rechtshänder die jeweils gegenüberliegende Seite "stillegen". Dieter Brummer, Langfahrtsegler aus Hamburg, hat während seiner Schulungstörns für Hochseesegeln damit Erfolge erzielt.

Seekrankheit ist also eine sehr individuelle Erscheinung, mit der jeder auf seine Weise fertig werden muss. Aber gleichgültig, ob man sich für das "Bündchen Petersilie an einer Schnur um den Hals" oder für die chemische Keule entscheidet, wir können nur raten, so lange alles auszuprobieren, bis man die Methode oder das Mittel herausgefunden hat, auf die der eigene Organismus am besten und mit den geringsten Nebenwirkungen reagiert.

Wenn alle Stricke reissen und kein Mittel hilft

·       Alle gesunden Crewmitglieder sollten mit der Seekrankheit der anderen so natürlich und selbstverständlich wie möglich umgehen. Was raus muss, muss raus! Die sattsam bekannten derben Späße sind eher abträglich als hilfreich.

·       Seekranke sollten sich grundsätzlich nur gesichert im Cockpit aufhalten oder einen ständigen Aufpasser zugeteilt bekommen. Eine sichernde, tröstende Hand im Rücken, ein Schluck Wasser zum Mundspülen und ein Papiertuch zum Abwischen reduzieren Ekelgefühle und können Wunder wirken.

·       Darauf achten, dass der Körper nicht zuviel Flüssigkeit verliert (meist schwitzt man beim Brechen auch noch, zunächst vor Anstrengung, später vor Schwäche).

·       Brechreiz verursacht einen zwanghaften Drang, an Deck zu klettern und dort trotz Kälte und Nässe auszuharren. (Meist ist man den anderen auch noch im Weg.) Wer das Gröbste dem Meer übergeben hat, kann weiteren Nachbeben mit einer Plastiktüte (ausgelegt mit saugfähigem Papier!) begegnen - aber unter Deck. Denn die warme Koje ist immer noch der beste Platz für Seekranke. Den Tütenwechsel übernehmen die Gesunden. Aber ohne viel Gerede. Das würde schnell wieder auf den Magen schlagen.

 


 
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Erste Publikation: 8. September 1996
Letzte Änderung: 21. November 2008 20:57:51
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